Auf dem Weg zum Taxifahrer

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Der erste Kurs

Nach ein paar dilettantischen Annäherungen meinerseits an den Berliner Stadtplan in den letzten drei Tagen, war ich dann gestern das erste Mal mit Leidensgenossen beim Rätseln vereint.
Aua, das klingt jetzt ein bisschen hart. So soll es aber nicht klingen. Ich bin eigentlich noch immer positiv überrascht von allem und allen. Ohne meine positiven Erfahrungen mit Taxifahrern zu vergessen, so erwartet man dann eben doch eher einen Haufen griesgrämige Prekariatsgeschädigte Leute unter den Anwärtern. Aber Fehlanzeige! Auch wenn die Altersspanne von ca. 23 bis 65 gereicht hat, so waren mir eigentlich alle sympathisch. Die Warnung seitesn unseres Coaches, dass man am Anfang vielleicht negativ überrascht werden würde, weil "die anderen" da "schon alles fast auswendig" wissen, hat sich nicht bestätigt. Ich fühle mich mehr und mehr in meinem Glauben bestätigt, dass ich das Richtige tue.
Mein größtes Problem ist es momentan, bis zum Montag 75 € aufzutreiben. Wenn ich das geschafft habe, dann kann ich meinen Vertrag unterschreiben, kriege alle - wirklich bitter nötigen - Unterlagen, und dann kann ich noch mal einen Blog-Eintrag schreiben, der sinngemäß besagt, dass es endlich richtig losgeht. Wäre aber Quatsch. Irgendwie bin ich doch bereits mitten drin, und da holt mich jetzt so schnell nichts mehr raus.
Finanziell werden die nächsten Monate alles andere als lustig, da wartet noch eine Menge schlechte Laune auf mich, aber was tut man nicht alles?

Morgendliche Grüße
8.2.08 11:30


Nachdenklich...

Nachdenklich stimmt es mich ja dann schon, dass ich derzeit anfange, auf die Ortskundeprüfung zu lernen.
Ich? Ein Mensch, der nach 4 Jahren Fahrtätigkeit insbesondere eines zu sagen weiss: Mein Orientierungssinn ist gut, aber ich kann mir keine Straßennamen merken. So ist das nach wie vor, aber ich stelle fest, dass es wohl eine Möglichkeit geben muss, sich umzustellen.
Denn ich sitze nun hier in Berlin-Marzahn und jongliere mit ein paar Straßennamen, die mir wie dem Großteil der Bevölkerung unseres Landes eher aus den Nachrichten, denn aus der Nachbarschaft bekannt sind. Und ich will Panik gehabt haben davor, dass ich in Stuttgart eine Ortskundeprüfung ablegen muss?
Vielleicht stimmt es ja tatsächlich, dass das vermeintliche Wissen einen eher behindert als dass es einem nützt. Mal sehen, was ich in ein zwei Monaten, wenn das Wissen um das hundertfache gestiegen sein sollte, zu diesem Thema zu sagen habe...

Noch ortsunkundige Grüße!
6.2.08 07:58


Jetzt geht's los!!!

So, also nochmal ein erfreulicheres Thema:
Ich hab mir heute einen Stadtplan gekauft, ihn an die Wand gehängt und einfach mal angefangen zu lernen. Mir wurde gesagt, dass der Anfang hart ist, aber ich hab gerade nach ein paar Stunden ein ganz gutes Gefühl. Mit der Zeit wird das richtig flutschen. Klar, die Materie ist trocken, aber verdammt: Ich lerne gerade, mich in meiner neuen Heimat zurechtzufinden. Ist das nicht etwas, was auch irgendwie geil ist?
Ich finde gerade den Anfang so geil, weil man plötzlich weiss, wie man zu Stellen kommt, an denen man bisher noch nicht einmal war. Ich finde es also zum Beginn weder unspannend noch entmutigend. Ich hab einiges gelernt heute!

Optimistische Grüße aus Berlin!
6.2.08 02:09


Arbeitsamt macht Ernst

Heute hat meine Arbeitsamts-Zuständige dann tatsächlich oberpünktlichst zurückgerufen. Hat mich natürlich gefreut. Jetzt war das aber leider - ich hatte bisher noch nichts mit ihr zu tun - so eine Art "Ich-mach-die-Regeln-und-sie-hören-einfach-nur-zu-Tante". Ihr vorrangiges Interesse war natürlich, ob meine Ausbildung zum Taxi-Fahrer die Agentur auch wirklich nichts kostet. Kann ich verstehen, wäre aber nett gewesen, wenn sie sich für irgendwas interessiert hätte. Hat wahrscheinlich nach dem Motto "Mein Name ist Hase, ich interessiere mich für nichts..." gehandelt. Naja, eigentlich trifft der Satz hundertprozentig zu.
Ich musste natürlich bestätigen, dass ich zur Verfügung stehe, wenn ich andere Arbeit finde. Soweit, so gut, ABER: Ich darf diese Arbeit nicht ablehnen, nur weil sie mit meiner Ausbildung kollidiert.
Dazu hab ich ein paar Sachen zu sagen: Ich hab zweimal die Woche einen festen Termin, und wenn sich der nicht umgehen lässt, dann WERDE ich die Arbeit wohl ablehnen.
Was die gute Frau scheinbar nicht so ganz kapiert, ist doch das: Nach dieser Ausbildung habe ich garantiert einen Job - weil ich mich dort verpflichten muss. Wenn ich jetzt drei Wochen vorher mit Zeitarbeit anfange, dafür die Ausbildung schmeisse, weil ich da schichten muss, dann ist das kurzfristig für mich scheisse - weil ich schlechter verdiene - und langfristig auch fürs Amt - weil ich entweder schnell wieder ohne Arbeit dastehe, oder sowieso wegen der miesen Bezahlung nebenher Staatskohle anfordern muss.
Ich meine, ich bin ungelernt und wohne in Berlin, hab bisher nur als Fahrer gearbeitet und hab hier noch keinen P-Schein. Wie groß sind meine Chancen?
Aber da sind wir beim zweiten Punkt: Ich glaube nicht, dass ich großartig in Versuchung gerate, irgendeine Arbeit abzulehnen. Immerhin hat die Agentur es während meiner letzten Arbeitslosigkeit in zweieinhalb Monaten nicht geschafft, mir mehr als ein Stellenangebot zuzuschicken. Im Endeffekt ist das dann also viel Wirbel um nichts. Ich bin ja schonmal gespannt, was aus ihrer "Androhung" wird, ich müsse ja auch dran denken, dass ich bundesweit Chancen haben könnte...
Ich weiss schon, weswegen ich diese Agentur am liebsten in den Wind schiessen würde. Ich brauch nur für 3 - 5 Monate Geld, danach zahl ich das notfalls wieder zurück, um mehr geht es doch nicht. Gerade diesem kranken System sollte es gefallen, dass ich ohne Aufforderung Ausbildungsmaßnahmen ergreife, die den Staat nichts kosten und mich am Arbeitsmarkt attraktiver machen. Bäh, jetzt rede ich schon, wie einer von denen...

Arbeitslose Grüße
6.2.08 02:04


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